© Evangelische Kirchengemeinde Schönau im Schwarzwald

Bild: JA
Gott gesehen Heute Morgen beim Frühstück fragte mich mein Sohn: „Hast du Gott schon einmal gesehen?“ Da wurde ich ganz still und überlegte eine Weile. Diese Frage hatte mir bisher noch niemand gestellt. Nicht einmal ich mir selbst. Und so ließ ich meine Gedanken los, um in meinen Erinnerungen nach Gott zu suchen. Ich dachte an die vergangenen Tage, in denen ich morgens aus dem Fenster schaute und die wundervolle Schneelandschaft betrachtete. Es zog mich hinaus um die kalte Luft einzuatmen und mich über das Knirschen des gefrorenen Schnees unter meinen Stiefeln zu freuen. Manchmal beobachtete ich die Vögel, die ausgestreute Körner aus dem Schnee pickten. Wenn sie wieder davon flogen wirbelten sie winzige Wölkchen aus Schnee auf. Ich dachte an die Kinder, mit denen mein Junge zusammen im Schnee spielte. Sie jubelten voller Glück und riefen ihre Freude weit hinaus in diese weiße Welt. Ich dachte an die alte Frau die ich in der Stadt gesehen hatte. Sie rutschte aus und wäre fast gestürzt. Dabei ließ sie jedoch ihren Einkauf fallen und Mandarinen rollten über den Gehweg. Ein Junge, vielleicht zwölf Jahre alt, eilte herbei und sammelte der alten Frau alles wieder ein. Er reichte ihr die Tasche mit einem freundlichen Lächeln und erntete ein ebenso freundliches von Ihr. Mit der freien Hand streichelte sie seine Wange und bedankte sich überglücklich bei dem jungen Mann. Ich dachte an das leckere Essen, das mein Mann gestern für uns gekochte hatte. Es gab einen Rollbraten mit Klößen und Rotkohl. Ich dachte an das Buch, das ich gestern Abend zu Ende gelesen hatte. Darin ging es um einen Mann, der ein ausgesetztes Baby im Wald gefunden hatte; gerade noch rechtzeitig um es vor dem Erfrieren zu retten. Danach hatte er sich dem Kind sein Leben lang verpflichte gefühlt. Zuletzt dachte ich an das Frühstück, das wir gerade aßen. Ich hatte uns ein Müsli mit Apfel- und Bananenstückchen zubereitet. Dazu hatte ich uns einen Tee gekocht. Wie jeden Samstag hatte ich die dicke blaue Kerze auf dem Küchentisch angezündet und das Frühstück alleine mit meinem Sohn genossen, während mein Mann noch schlief. Ich kehrte zurück aus meiner kleinen Gedankenreise und sah meinen lieben Sohn an, der natürlich immer noch vor mir saß und auf eine Antwort wartete. Eine Antwort auf die Frage, ob ich Gott schon einmal gesehen hätte. Ich sah in seine strahlend blauen Augen und sagte: „Ja, ich sehe ihn die ganze Zeit.“ Mein Sohn lächelte glücklich und sagte nur: „Ich auch.“ PAN 2016

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Gott gesehen Heute Morgen beim Frühstück fragte mich mein Sohn: „Hast du Gott schon einmal gesehen?“ Da wurde ich ganz still und überlegte eine Weile. Diese Frage hatte mir bisher noch niemand gestellt. Nicht einmal ich mir selbst. Und so ließ ich meine Gedanken los, um in meinen Erinnerungen nach Gott zu suchen. Ich dachte an die vergangenen Tage, in denen ich morgens aus dem Fenster schaute und die wundervolle Schneelandschaft betrachtete. Es zog mich hinaus um die kalte Luft einzuatmen und mich über das Knirschen des gefrorenen Schnees unter meinen Stiefeln zu freuen. Manchmal beobachtete ich die Vögel, die ausgestreute Körner aus dem Schnee pickten. Wenn sie wieder davon flogen wirbelten sie winzige Wölkchen aus Schnee auf. Ich dachte an die Kinder, mit denen mein Junge zusammen im Schnee spielte. Sie jubelten voller Glück und riefen ihre Freude weit hinaus in diese weiße Welt. Ich dachte an die alte Frau die ich in der Stadt gesehen hatte. Sie rutschte aus und wäre fast gestürzt. Dabei ließ sie jedoch ihren Einkauf fallen und Mandarinen rollten über den Gehweg. Ein Junge, vielleicht zwölf Jahre alt, eilte herbei und sammelte der alten Frau alles wieder ein. Er reichte ihr die Tasche mit einem freundlichen Lächeln und erntete ein ebenso freundliches von Ihr. Mit der freien Hand streichelte sie seine Wange und bedankte sich überglücklich bei dem jungen Mann. Ich dachte an das leckere Essen, das mein Mann gestern für uns gekochte hatte. Es gab einen Rollbraten mit Klößen und Rotkohl. Ich dachte an das Buch, das ich gestern Abend zu Ende gelesen hatte. Darin ging es um einen Mann, der ein ausgesetztes Baby im Wald gefunden hatte; gerade noch rechtzeitig um es vor dem Erfrieren zu retten. Danach hatte er sich dem Kind sein Leben lang verpflichte gefühlt. Zuletzt dachte ich an das Frühstück, das wir gerade aßen. Ich hatte uns ein Müsli mit Apfel- und Bananenstückchen zubereitet. Dazu hatte ich uns einen Tee gekocht. Wie jeden Samstag hatte ich die dicke blaue Kerze auf dem Küchentisch angezündet und das Frühstück alleine mit meinem Sohn genossen, während mein Mann noch schlief. Ich kehrte zurück aus meiner kleinen Gedankenreise und sah meinen lieben Sohn an, der natürlich immer noch vor mir saß und auf eine Antwort wartete. Eine Antwort auf die Frage, ob ich Gott schon einmal gesehen hätte. Ich sah in seine strahlend blauen Augen und sagte: „Ja, ich sehe ihn die ganze Zeit.“ Mein Sohn lächelte glücklich und sagte nur: „Ich auch.“ PAN 2016